Fazialis-Parese mit Gelassenheit

Ich werde sehr häufig gefragt, was mir passiert sei, warum ich diese Narbe im Gesicht habe oder meine Mimik nicht symmetrisch sei. Ich habe eine Fazialisparese. Ich möchte dir gerne kurz erklären, was das ist.

Lisa Monn

Was ist eine Fazialisparese

Eine Fazialisparese ist eine Lähmung des Gesichtsnerves. Die eine Seite des Gesichts hat dadurch weniger Mimik.

Der Nervus facialis ist der Gesichtsnerv, der für die Mimik zuständig ist. Bei einer Parese liegt eine Lähmung vor. Man kann es auch als Gesichtslähmung übersetzen. Meistens ist die Lähmung einseitig. In den allermeisten Fällen kommt es aus nicht bekannten Gründen zu einer Fazialisparese, man nennt es dann idiopathische Fazialisparese oder auch Bells Palsy. Andere Gründe können eine Gürtelrose oder ein Tumor im Bereich des Nerves sein. Eine Fazialisparese erscheint optisch ähnlich wie ein Hirnschlag. Bei einem Hirnschlag besteht die Schädigung zentral, also im Gehirn selbst. Das Problem bei einer Fazialisparese besteht am peripheren Nerv, also am Teil des Nervs ausserhalb des Gehirns.

Traumatische Fazialisparese nach einem Velo Unfall

Bei mir handelt es sich um keiner der oben genannten Gründe. Bei mir ist der Grund für meine Gesichtslähmung ein Unfall – ich habe also eine traumatische Fazialisparese. Bei meinem Velounfall, zu dem ich gleich mehr erzählen werde, wurde mein Fazialisnerv an vier Stellen durchtrennt. In einer aufwändigen Operation konnte der Nerv wieder zusammengenäht werden. Zu Beginn hatte ich an meiner linken Gesichtshälfte gar keine Motorik. Mit der Zeit heilte die Wunde, die Schwellung klang allmählich ab und ich konnte immer mehr bewegen. Auch noch heute, über zweieinhalb Jahre nach dem Unfall, merke ich täglich kleine Veränderungen. Zu einer symmetrischen Beweglichkeit wird es jedoch wohl nie kommen.

Traumatische Fazialisparese

Mein Weg der Akzeptanz

Ich habe im Sommer 2017 im Alter von 24 Jahren einen schweren Velounfall erlitten. Ich habe dabei mein Gesicht schwer verletzt. Heute erinnert mich meine traumatische Fazialisparese sowie meine grosse Narbe, welche meine ganze linke Gesichtshälfte durchzieht an diesem Tag.

Ich habe in diesem Unglück einen wunderbaren Schutzengel und sehr gute erste Hilfe gehabt. Ich habe überlebt! Mein Auge und mein Gehirn blieben unversehrt. Ich habe „nur mein Gesicht verloren“. Ich wurde im Spital sehr gut versorgt und betreut. Meine Familie und Freunde haben mich sehr gut auf diesem Weg begleitet.

So sehe ich jetzt halt aus

Meine Worte beim ersten Anblick im Spiegel

Als ich mich nach der Operation das erste Mal im Spiegel betrachtete, waren meine Worte: „So sehe ich jetzt halt aus“. Ich stand unter Schock und realisierte kaum, was passiert war. Bis ich mein Aussehen wieder akzeptiert und mich wieder selbst zu lieben begonnen hatte, hat es lange gedauert.

Rehabilitation in Körper, Geist und Seele

Mein Weg der Besserung war neben der Wiedererlangung der körperlichen Leistungsfähigkeit vor Allem geprägt durch Selbstakzeptanz. Es hat seine Zeit gebraucht, bis ich diese schwere Situation erst einmal realisiert und später akzeptiert habe. Ich habe mich lange vor Fotos gescheut und habe etliche Tränen beim Anblick meines Spiegelbilds vergossen.

Was mich in dieser schweren Zeit, ganz am Anfang, vor Allem geholfen hat, war mein sogenanntes „Mimimi-Buch“, mein Jornal, mein Tagebuch. Ich habe all meine Ängste, Alpträume, Sorgen, und mein Klammern an Vergangenem, an all dem, was nicht mehr ist, zu Papier bringen können. So habe ich einen Ort gehabt, an dem ich alles ablegen konnte. Ich habe mich reflektiert und Teile meines Selbst erforscht, die noch völlig unentdeckt waren. Ich bin daraus gewachsen, habe mich von Vergangenem lösen können, die aktuelle Situation – mit meinem neuen Aussehen, meiner Narbe im Gesicht und meiner veränderten Mimik – annehmen können und wieder mit Freude in die Zukunft blicken können. Ich habe meine Träume und Visionen ausformuliert und mich motiviert, immer weiter zu gehen und niemals aufzugeben.

Ich habe sehr vieles über das Gesicht, die Heilung von Nerven und der Umgang mit einer Fazialisparese gelernt. Das Wissen hat mir ein wenig Halt gegeben. Ausserdem habe ich mich mit Gleichgesinnten ausgetauscht. In der Facebook-Gruppe „Fazialisparese-Gesichtslähmung (Austausch Betroffener und Therapie)“ habe ich viele Antworten auf meine Fragen bekommen und habe mich in der Community verstanden gefühlt.

Später habe ich eine Ausbildung zur Yogalehrerin absolviert. Die Yogaphilosophie hat mir weiter geholfen, mich selbst und das Leben zu verstehen. Völlig im Moment leben, Loslassen, Selbstliebe, meine Zukunft selbst erschaffen mit meinen Entscheidungen und Taten – das waren die Hauptthemen für mich. Die Asana Praxis hat meinen Heilungsverlauf unterstützt und die Schwellung in meinem Gesicht ging durch gezielte Yogastellungen zurück.

Mein Leben heute

Heute schätze ich es so sehr, dass ich am Leben sein darf. Ich fühle mich wohl in meinem Körper und bin unglaublich dankbar, für alles, was ich habe und bin. Meine Lebensfreude strahlt mehr denn je. Ich bin so dankbar hier sein zu dürfen und geniesse jeden Tag, der mir geschenkt wird!

Ich arbeite immer weiter an meiner Selbstakzeptanz und Selbstliebe. Momentan bin ich Teil der RUSU von Laura Seiler – einem wunderschönem Online Coaching. Ich schreibe noch immer in meinem Journal, den Namen „Mimimi-Buch“ hat er jedoch verloren. Ich praktiziere regelmässig Yoga und Meditation, ich ernähre mich gesund und schaue mir auf allen Ebenen gut. Ich entwickle mich täglich weiter und möchte gerne mein Wissen und meine Erfahrungen mit der Welt teilen.

Es ist wie es ist und es wird, was du daraus machst.

Das wurde zu meinem Leitsatz


Ich habe eine Narbe im Gesicht, eine traumatische Fazialisparese und ein Rucksack gefüllt mit sehr vielen Erfahrungen die mich stärker gemacht haben. Ich lebe heute gelassen mit meiner Fazialisparese und sage JA! zum Leben, zu meinem Leben voller Selbstliebe.

Ich hoffe, Dir mit meiner Geschichte Kraft und Inspiration schenken zu können. Es passieren viele Sachen in unserem Leben, die wir uns nicht ausgesucht haben, was uns geschieht können wir nicht wählen, wie wir es nehmen jedoch schon.

Das Leben ist wunderschön, geniesse es!

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Erledigt! Sie sind auf der Liste.

Lisa in den Medien

Nina Defuns hat im Rahmen ihrer Diplomarbeit eine rührende Doku über mich gedreht. Es ist auf Rätoromanisch mit deutschen Untertiteln.

Im April wurde meine Geschichte im Daily Mail in England Publiziert. Lies hier den Artikel.


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